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Neues aus Tissa und Ulrichswalde
Der Bürgermeister von Meusebach unser allseits bekannter rasender Reporter des Dorfkuriers fragte nach, was es seit dem letzten großen Bericht aus Tissa und Ulrichswalde aus dem Jahre 2002 Neues gibt. Also endlich mal wieder eine Gelegenheit ein ausführliches Resümee aufzuschreiben, denn nur was man aufschreibt das bleibt. Chroniken sind das beste Beispiel dafür.
In den letzten sieben Jahren sind sieben Projekte verwirklicht worden, und dies sehr oft unter erheblichem Einsatz der Einwohner. Das erklärte Ziel von Gemeinderat und Bürgermeister ist vor allem Schuldenfreiheit um nicht erpressbar zu sein und genug Finanzreserven zu erwirtschaften um für Großprojekte den Eigenanteil an Fördermaßnahmen zu erwirtschaften. Sicher der Wunsch aller Gemeinden, aber eben oft nicht einfach. Im Jahre 2002 wäre da der Bau zweier Waldwege in Tissa zu nennen. Hierbei war der finanzielle Anteil der Gemeindekasse zwar null aber ein geringer Beitrag und vor allem das Einverständnis aller Eigentümer war notwendig und dass es oft schon an diesen zwei Voraussetzungen scheitert, wissen viele Bürgermeister und Förster nur zu gut.
Im Jahre 2003 folgte die Instandsetzung zweier Landwirtschaftlicher Wege verbunden mit der Sanierung des Teiches in Ulrichswalde. Und auch hier war wieder die Zustimmung aller Eigentümer notwendig. Der finanzielle Eigenanteil lag bei 35 %, und durch die Asphaltierung ist die Staubentwicklung gewaltig reduziert. Durch einen glücklichen Umstand erhielt die Gemeinde im Jahre 2004 zehntausend Euro zum Bau eines Sportplatzes. Ein entsprechendes Flurstück wurde zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung gestellt. Ein Bagger begradigte die Fläche und in mehreren Arbeitseinsätzen wurden Netzpfosten aufgestellt. der Platz komplett eingezäunt die Fläche beharkt und Rasen angesät. Und nun haben die Tissaer ein Waldstadion. Hier wird jährlich ein Sportfest mit mehreren Mannschaften ausgerichtet. Das fünfte Jahr im neuen Jahrtausend wurde zur Nachbereitung der letzten Maßnahmen und zur Vorbereitung auf die Attacken der nächsten Jahre genutzt.
Im Jahr 2006 gab´s 3000 Euro Lottomittel zum Einbau einer Theke im Dorfgemeinschaftshaus und eine Förderung für Spielgeräte für die Spielplätze in Tissa und Ulrichswalde. Die Ausführung dieser Maßnahme erfolgte im Jahr 2007, fasst komplett durch Eigeninitiative der Einwohner. Baggerarbeiten mussten erledigt werden, die Spielgeräte gesetzt, der Platz mit 30 cm Rollkies aufgefüllt und teilweise eingezäunt werden. Genutzt werden sie nicht nur von den Kindern der Gemeinde, es hat sich auch eine Art Spielplatztourismus entwickelt, dabei sind die Besucher immer sehr zufrieden. Aber nicht nur bei dieser Gelegenheit sondern jedes Jahr leisten die Einwohner mindestens zwei Arbeitseinsätze der unentgeltlichen Art. Das Jahr 2008 sollte dann mal besonders erwähnt werden. In diesem Jahr machte der Straßenbau in Tissa erhebliche Fortschritte. Im Frühjahr, als noch nicht abzusehen war, was da im Spätsommer noch anrollt, wurde der Weg zum Sportplatz und die Brunnengasse aus Eigenmitteln mit einem Spendenanteil von 4000 Euro befestigt und im Gemeindehaus Ulrichswalde eine neue Treppe eingebaut und es begannen die Arbeiten zum Bau einer Vorwand im Kellerbereich am Gemeindezentrum.
Anfang Juli 2008 hatte es Hartmut Weidemann dann tatsächlich geschafft, viele Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass der Dorfplatz in Tissa unbedingt eine Grundsanierung erfahren muss. Die Zeit war knapp bis zum gestellten Abrechnungstermin Ende Dezember. Um so erfreulicher war, dass nicht nur die Bedenken einiger Skeptiker spätestens nach dem Ergebnis der Ausschreibung weitestgehend ausgeräumt werden konnten, sondern auch die Versorger ZWA, E-on und Telekom kurzfristig und problemlos die Abwasserleitung erneuerte und alle Kabel unter die Erde brachten. Von Mitte August bis Weihnachten war Tissa eine große Baustelle mit allen Wetterunbilden die diese Jahreszeit mit sich bringt. Fast der gesamte Fuhrpark der Tissaer, so an die 30 PKWs, musste mehrere Wochen am Ortseingang unter erheblichem Platzmangel geparkt werden, und wer schläft schon ruhig, wenn sein bestes Stück außer Haus übernachtet.
Der kleine Dorfplatz stieß mit bis zu fünf großen Baumaschinen vor Ort an die Grenzen seiner Kapazitäten zumal auch die Landwirtschaftstechnik hier und da noch zu ihrem Recht kommen musste. Aber all das brachte das Tissaer Gefühlsleben nicht völlig aus dem Gleichgewicht. Es entstand ein vollflächig gepflasterter Dorfmittelpunkt mit einem Brunnenhaus. Der Brunnen ist mit einer begehbaren Glasplatte abgedeckt und erlaubt den Blick in den 28 Meter tiefen Brunnen, wenn ein Mutiger auf der Glasplatte steht und in die Hände klatscht.
Nun nachdem wieder alles im Lot ist und der Dorfplatz mit einer ordentlichen Einweihungsfeier begossen wurde, bleibt zu hoffen, dass die Erhebung der Straßenausbaubeiträge so erfolgen kann, das eine gerechte Kostenverteilung keinen Grundstückseigentümer überfordert, das Bauwerk lange Bestand hat und Tissa vielen guten Jahren entgegensieht. In diesem Jahr 2009 und für die nächsten Jahre sollen besonders in Ulrichswalde Instandsetzungsarbeiten an den Gemeindestraßen und dem Dorfplatz erfolgen.
Mit den Mitteln aus dem Konjunkturpaket II wird das Teichhaus saniert, so dass das Dorfzentrum in Ulrichswalde mit Gemeindehaus, Teich und Spielplatz ein gemütlicher Dorfmittelpunkt wird. Vorrausetzung dafür ist allerdings eine noch hoffentlich lange kommunale Eigenständigkeit mit einem eigenen Finanzhaushalt, dem das Geld nicht ausgeht. Was uns allerdings ständig ausgeht in Ulrichswalde, ist aufgrund der geringen Niederschläge, regelmäßig das Wasser im Teich. An kleinen unmerklichen Veränderungen der letzten Jahre wäre zu erwähnen, dass der Bestand an Pferden in der Gemeinde sich auf null reduziert hat. Nachdem Takota aus Altersgründen dem Metzger zum Opfer fiel, und sich einige Tissaer ausnahmsweise mal Pferdewurst einverleibten, ereilte die ``Schwarze Sophie´´ des Landwirtes Bernd Gräfe am 15. Juni 2006 im stolzen Pferdealter von 20 Jahren auf spektakuläre Weise der Tod durch Blitzschlag auf der Pferdekoppel, so steht´s jedenfalls in der Chronik.
Das letzte Trabi-Exemplar von Tissa wurde allerdings auch 20 Jahre nach der Wende noch nicht vom Blitz getroffen und zieht noch munter seine Runden. Mit den Tissaer Veranstaltungsserien kriselt es zur Zeit, aber noch besteht Hoffnung. Im Jahr 2006 war Ulrichswalde besonders oft in den Schlagzeilen. Der ehemalige Schafstall wurde, trotz nachhaltiger Proteste zum Schweinestall mit 2500 Ferkeln umfunktioniert. Zumindest eine aufwändigere Höhenentlüftung hatte der Protest zur Folge, so dass ein größerer Teil des Gestanks in unbewohntem Gebiet niedergeht. Aber da wo es ankommt stinkt`s gewaltig. Ansonsten blieb die Zahl der Landwirte gleich, Nebenerwerbslandwirte nahmen eher noch zu, und auch der weithin bekannte Kräuterhof Xylander wartet nun schon mit über 140 Heilkräutern auf, um für alle Zipperlein der Welt gerüstet zu sein.
Die Einwohnerzahl der Gemeinde ging zwar etwas zurück, aber das Erfreuliche ist das durch den Generationswechsel fast leerstehende Gehöfte wieder von jungen Familien bewohnt sind. Die Hoffnung des Bürgermeisters ist natürlich das die Einbürgerung so vertrauensvoll wie möglich verläuft. Ausgegraben wurden in den letzten Jahren einige geschichtliche Dokumente. Einmal über die geplante Enteignung der Tissaer Altgemeinde in der Nachkriegszeit und ein Bericht des Geschichts- und Altertumsvereins zu Eisenberg und Stadtroda über die Ausgrabungen an einer Kirche des ehemaligen mittelalterlichen Vorwerk Tissa das im Jahre 1926 bei Feldarbeiten gefunden wurde. Dabei wurde die Vermutung untermauert, dass der liebe Gott damals auch an dieser Stelle die Erde geküsst haben muss.
Reiner Hartung, Bürgermeister der Gemeinde Tissa-Ulrichswalde
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